Mardi Gras in New Orleans

Auch New Orleans hat eine fünfte Jahreszeit. Während der Wochen zwischen Dreikönigstag und Faschingsdienstag befindet sich die ganze Stadt im Ausnahmezustand.

Am Ende kamen die Sträflinge. Die Rechen in der Hand und von sonnenbebrillten Aufsehern begleitet, säuberten sie in ihren orangefarbenen Hosen kaum zehn Minuten nachdem die letzte Parade vorüber war die Straße von Bierbechern und Plastikketten. Mit dem “Mardi Gras” oder “Fat Tuesday” am 8. März endete die Karnevalssaison in New Orleans, die am Dreikönigstag begonnen hatte.  Dazwischen lagen Wochen voller Paraden und Feierlichkeiten.

Die Wurzeln des Mardi Gras in New Orleans gehen auf französische Bewohner zurück. Damals wie heute hatte die Stadt eine große katholische Gemeinde, die den Karneval feierte. Entstanden aus traditionellen Maskenbällen, wurde die erste Parade im Jahr 1857 abgehalten. Die offiziellen Farben des Mardi Gras sind violett, gold und grün. Sie stehen für Gerechtigkeit, Macht und Glauben und wurden vom russischen Großfürsten Alexei Alexandrowitsch im Jahr 1872 bei seinem Besuch in der Stadt ausgewählt. Dieselben Farben sind auch auf dem “King Cake” zu sehen, einer zuckersüssen Köstlichkeit aus Brioche-Teig mit Zimtgeschmack und verschiedenen Füllungen.

Von Geheimlogen zu exklusiven Klubs

Elementarer Bestandteil des Karneval in New Orleans sind die Paraden. Sie werden von den sogenannten “Krewes” ausgerichtet. Bis in die 1980er Jahre umgaben sich diese Vereinigungen einen geheimnisvollen Nimbus und waren entlang ethnischen, religiösien oder Geschlechtergrenzen organsiert. Heute sind die Krewes exklusive soziale Klubs, die allen Personen mit dem nötigen Kleingeld offensteht.

Im Uhrzeigersinn: Der Mardi Gras-König, Musiker bei einer Parade, Grundnahrungsmittel und die Putzkolonne aus Knackis

Im Uhrzeigersinn: Der Mardi Gras-König, Musiker bei einer Parade, Grundnahrungsmittel, die Putzkolonne aus Knackis

Eine Hauptaufgabe der Krewes ist das Ausrichten der Paraden, von denen es wärend der Karnevalssaison dutzende gibt, vermehrt am letzten Wochenende vor dem Fat Tuesday. Den Anfang machte die “Krewe du Vieux”, mit einer originellen Parade im French Quarter und dem angrenzenden Stadtteil Marigny. Zu dem vor allem von Einheimischen besuchten Umzug, ging ich mit meinem Mitbewohner Rick und einigen seiner Freunde. Von Nachbarn wurden wir dort zu einem “Seafood Boil” eingeladen, bei dem wir uns die Bäuche mit Shrimps und Austern vollschlagen konnten.

Plastikketten und Kokosnüsse

Die Hochsaison des Mardi Gras beginnt am Wochenende vor dem Fat Tuesday, an dem die großen Paraden stattfinden. Mitglieder der Krewes schmeißen von aufwändig gestalteten “Floats” (Festwagen) vor allem “Beads” (Plastikketten) und “Doubloons” (Münzen), aber auch Kuscheltieren und Spielzeug. Einige dieser Geschenke sind besonders begehrt. So verteilt die Zulu-Parade Kokosnüsse und die von Frauen dominierte Krewe “Muses” Schuhe. Obwohl die Gegenstände an sich nutzlos sind, macht die Jagd nach immer neuem Nippes riesigen Spaß.

Im Uhrzeigersinn: Ein Float bei einer Parade, Tobi wird überfallen, Fackelträger und der Müll eines(!) Tages auf der Canal Street

Im Uhrzeigersinn: Ein Float bei einer Parade, Tobi wird überfallen, Fackelträger, Müllberge auf der Canal Street

Wichtiger Bestandteil der Paraden meist verschiedene Musik- und Tanzgruppen, sowie Fackelträger. Obwohl sich die Paraden nach einer Weile stark ähneln, macht es immer wieder Spaß nach Geschenken zu jagen und dem bunten Trubel zuzusehen. Leider ließ die große Zahl von Touristen am Mardi Gras-Wochenende die Feierlichkeiten besonders auf der Bourbon Street leider zeitweilig zu einem Gröhl- und Saufgelage mutieren, das sich kaum von anderen Volksfesten unterschied.

Lang lebe der König

Traditionell am letzten Tag des Karnevals findet die Parade der traditionsreichen Krewe “Rex” statt. Seit 1872 stellen sie den König des Mardi Gras, meist ein wohlhabender und geachteter Geschäftsmann der Stadt. Besonders angenehm war, dass die Parade vor unserer Haustür verlief. Dem König folgten noch zwei weitere Umzüge und schließlich die Sträflinge.

Insgesamt bin ich vom Mardi Gras begeistert. Zwar war mir als Berliner der Karneval bislang immer ein wenig suspekt, doch hier in New Orleans hat mich das Faschingsfieber gepackt. Es war nicht unbedingt die gesündeste oder produktivste Woche meines Lebens, aber es riesigen Spaß gemacht. Auch wenn im Nachhinein alles zu einem einzigen großen Brei aus Farben, Musik und Menschen verschwimmt, war es eine tolle Erfahrung.

In diesem Lied besingt die lokale Jazz-Größe Professor Longhair den Mardi Gras.  Zudem gibt es einige schöne Bilder der Stadt.

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